Pronomen

Serbische Indefinit- und Negationspronomen und die doppelte Verneinung

Niveau B1 Pronomen
Kernidee

Im Serbischen lassen sich aus den Fragewörtern ko (wer) und šta (was) ganze Wortfamilien bilden, indem man eine kleine Vorsilbe voranstellt. Wer dieses System einmal durchschaut hat, kann auf einen Schlag jemand, niemand, etwas, nichts und vieles mehr ausdrücken. Es gibt drei zentrale Präfix-Familien. Mit ne- entstehen die positiven Indefinitpronomen: neko (jemand) und nešto (etwas) – zum Beispiel "Neko je ovde." (Jemand ist hier.) oder "Imam nešto za tebe." (Ich habe etwas für dich.). Mit ni- entstehen die Negationswörter: niko (niemand), ništa (nichts), dazu nikad (nie) und nigde (nirgendwo). Mit i- bildet man schließlich die "irgend-"-Reihe, die vor allem in Fragen und Bedingungssätzen auftaucht: iko (irgendjemand), išta (irgendetwas). Daneben steht die Allmenge mit svako (jeder) und sve (alles). Der eigentliche Aha-Moment für uns Deutschsprachige liegt in der Negation. Im Standarddeutschen vermeiden wir die doppelte Verneinung sorgfältig: "Niemand weiß es" steht ohne ein zweites Nein, denn zwei Verneinungen würden sich nach unserem Sprachgefühl gegenseitig aufheben. Das Serbische macht genau das Gegenteil. Hier ist die doppelte Verneinung Pflicht: Sobald ein ni-Wort im Satz steht, muss das Verb zusätzlich mit ne verneint werden. Deshalb heißt es "Niko ne zna." (Niemand weiß es.) und "Nikad ne idem tamo." (Ich gehe nie dorthin.). Das ne am Verb ist kein Fehler und kein Stilmittel, sondern grammatisch zwingend. Noch deutlicher wird das beim Stapeln: Mehrere Verneinungen reihen sich völlig regelkonform aneinander, ohne dass die Bedeutung umkippt. "Niko nikad ništa ne kaže." heißt schlicht "Niemand sagt jemals etwas." – vier Verneinungssignale, eine einzige Aussage. Drei Fehler treten besonders häufig auf. Erstens das Weglassen von ne: Nicht "Niko zna", sondern immer "Niko ne zna." Zweitens der Trugschluss, zwei Verneinungen höben einander auf. "Ich habe nichts" wird zu "Nemam ništa." – das Verb steht in der verneinten Form nemam, nicht etwa imam. Drittens die Präposition: Sie spaltet das ni-Pronomen auf und rückt zwischen ni und den Rest. Es heißt ni od koga (von niemandem) und ni sa kim (mit niemandem), niemals od nikoga oder sa nikim. Wer sich diese drei Stolperfallen merkt, hat das System fast schon im Griff.

Beispiele

  • Niko ne zna. Nobody knows.
  • Nemam ništa. I have nothing.
  • Nikad ne idem tamo. I never go there.

Die ganze Lektion

Alles aus dem Video, als Text.

  1. niko · ništa · nikad

    die Regel der doppelten Verneinung

    Um niemand weiß zu sagen, nutzt man im Serbischen gleich zwei Verneinungen. Lässt du eine weg, zerbricht der Satz.

  2. Unbestimmte vs. verneinende Pronomen — und wie Verneinung wirklich funktioniert.

    Diese Lektion behandelt zwei Pronomen-Familien. Die unbestimmten — jemand, etwas — und die verneinenden — niemand, nichts, nie. Die verneinende Familie hat eine besondere Regel, die alle stolpern lässt. Bauen wir sie auf.

  3. Aus ko (wer) und šta (was) gebildet

    ko → Personen
    • neko — jemand
    • niko — niemand
    • svako — jeder
    • iko — irgendwer
    šta → Dinge
    • nešto — etwas
    • ništa — nichts
    • sve — alles
    • išta — irgendetwas

    Alles entsteht aus zwei Fragewörtern: ko, also wer, und šta, also was. Setz an jedes ein kleines Präfix und du erhältst einen ganzen Satz Pronomen.

  4. Neko je ovde.

    neko — jemand

    Beginnen wir mit den einfachen, bejahenden. Das Präfix ne- gibt dir jemand und etwas. Neko je ovde. Jemand ist hier.

  5. Imam nešto za tebe.

    nešto — etwas

    Und die Ding-Variante funktioniert genau gleich. Imam nešto za tebe. Ich habe etwas für dich.

  6. Ein ni- Pronomen braucht IMMER auch ne am Verb.

    Jetzt der Kern der Lektion. Die verneinenden Pronomen beginnen mit ni-: niko ist niemand, ništa ist nichts, nikad ist nie. Und hier die Regel, an der alles hängt — nutzt du eines davon, muss auch das Verb verneint werden.

  7. Niko ne zna.

    niko + ne zna

    Niemand weiß ist also nicht nur eine Verneinung. Das Pronomen ist verneint und das Verb bekommt ne davor. Niko ne zna. Niemand weiß es.

  8. Nemam ništa.

    nemam = ne + imam

    Genauso bei nichts. Das Verb trägt schon seine eigene Verneinung, und genau das will die Regel. Nemam ništa. Ich habe nichts.

  9. Nikad ne idem tamo.

    nikad + ne idem

    Nie funktioniert genauso. Nikad ist das verneinende Zeitwort, also wird das Verb gleich mit verneint. Nikad ne idem tamo. Ich gehe nie dorthin.

  10. Mehrere Verneinungen häufen sich — jede bleibt verneint.

    Es bleibt nicht bei zwei Verneinungen. Landen mehrere verneinende Wörter in einem Satz, bleiben alle verneint, und das Verb bekommt trotzdem sein ne. Verneinungen zu häufen ist hier kein Fehler — es ist Pflicht.

  11. Niko nikad ništa ne kaže.

    vier Verneinungen, alle Pflicht

    Hör, wie viele Verneinungen dieser Satz trägt — niemand, nie, nichts und ein verneintes Verb, alle zusammen. Niko nikad ništa ne kaže. Niemand sagt je etwas.

  12. iko / išta — irgendwer / irgendetwas (Fragen, Bedingungen)

    Frage
    • Ima li koga? — Ist jemand da?
    • Da li ti treba išta? — Brauchst du etwas?
    Aussage
    • Svako to zna. — Jeder weiß das.
    • Sve je spremno. — Alles ist bereit.

    Noch ein Satz zum Merken: die irgendwer-Familie mit dem Präfix i-. Iko und išta bedeuten irgendwer und irgendetwas und tauchen meist in Fragen und Bedingungen auf — etwa ist hier irgendwer.

  13. Niko zna. niemand weiß (bejahtes Verb)
    Niko ne zna. niemand weiß es

    Ein ni- Pronomen ohne ne am Verb ist ungrammatisch.

    Hier die große Falle. Es wirkt natürlich, das Verb bejaht zu lassen, wenn das Subjekt schon niemand ist — doch im Serbischen ist das genau falsch. Das Verb muss verneint sein.

  14. Imam ništa. ich habe nichts (bejahtes Verb)
    Nemam ništa. ich habe nichts

    ništa verlangt ein verneintes Verb — nemam, nicht imam.

    Und versuch nicht, die Doppelung aufzulösen, damit die Logik aufgeht. Zwei Verneinungen heben sich nicht auf — beide gehören dazu, jedes Mal.

  15. Merke

    • ne- = jemand · ni- = niemand · i- = irgend
    • ni- Pronomen → Verb bekommt auch ne
    • Verneinungen häufen sich — niko nikad ništa ne kaže

    Also, drei Dinge zum Merken. Ne- heißt jemand, ni- heißt niemand, i- heißt irgendwer. Ein ni- Wort zieht immer ne ans Verb. Und Verneinungen häufen sich — lass sie.