Das serbische Relativpronomen koji – Genus von außen, Kasus von innen
Das serbische Relativpronomen koji (wer, der, welcher) verbindet einen Relativsatz mit einem Bezugswort – und es funktioniert nach einer einzigen, klaren Regel, die du dir als Deutschsprachiger erstaunlich leicht merken kannst. Der Schlüssel ist eine Aufspaltung: koji übernimmt Genus und Numerus von seinem Bezugswort, also „von außen“, aber seinen Kasus bekommt es von seiner Rolle „von innen“, das heißt aus der Funktion, die es im Relativsatz selbst erfüllt. Schau dir die Grundformen an: koji (maskulin), koja (feminin), koje (neutrum). Diese Formen werden weiter dekliniert, etwa im Akkusativ zu koga oder kog (m.) bzw. koju (f.), im Dativ und Lokativ zu kome oder kom. Welche Endung du wählst, entscheidet sich in zwei Schritten – und genau diese zwei Schritte sind das Herz der Lektion. Gehen wir die Beispiele durch. In „čovek koji radi“ (der Mann, der arbeitet) ist das Bezugswort čovek maskulin Singular – daher koji, nicht koja. Innerhalb des Relativsatzes ist koji das Subjekt zu radi, steht also im Nominativ: koji. In „knjiga koju čitam“ (das Buch, das ich lese) ist knjiga feminin – daher die f-Form. Im Relativsatz ist es aber das Objekt zu čitam, also Akkusativ feminin: koju. In „grad u kome živim“ (die Stadt, in der ich lebe) steht koji nach der Präposition u und übernimmt deren Kasus, den Lokativ: kome. Weitere Beispiele: „čovek koga vidim“ (Akkusativ), „prijatelj kome verujem“ (Dativ, weil verovati den Dativ verlangt), „auto koji vozim“ und „ljudi koji čekaju“ (Plural, Subjekt → Nominativ koji). Das Schöne für dich: Genau dieses Prinzip kennst du aus dem Deutschen. „Der Mann, der arbeitet“ – der ist maskulin (vom Bezugswort) und Nominativ (Subjekt im Nebensatz). „Der Mann, den ich sehe“ – immer noch maskulin, aber Akkusativ, weil den im Nebensatz Objekt ist. Deutsches der/die/das richtet sich also nach Genus und Numerus des Bezugsworts, nimmt den Kasus aber aus der Rolle im Relativsatz – exakt wie koji. Diese Parallele macht koji für dich intuitiv: Du machst im Deutschen längst dasselbe, du musst nur die serbischen Endungen lernen. Vorsicht bei der häufigsten Falle, dem Attraktionsfehler: Verführt durch den Kasus des Bezugsworts überträgt man ihn fälschlich auf koji. Falsch ist „Vidim čoveka kojeg radi“, richtig ist „Vidim čoveka koji radi“ – denn čoveka steht zwar im Akkusativ, aber koji ist im Relativsatz das Subjekt und bleibt im Nominativ. Merke: Frag immer, welche Rolle koji im Relativsatz spielt – nicht, in welchem Kasus das Bezugswort steht.
Beispiele
- čovek koji radi the man who works
- knjiga koju čitam the book that I'm reading
- grad u kome živim the city I live in
Die ganze Lektion
Alles aus dem Video, als Text.
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Es gibt ein Wort, das zwei kurze Sätze zu einem reicheren verbindet, und genau da stolpern die meisten.
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Das Wort koji verbindet einen beschreibenden Nebensatz mit einem Substantiv. Damit machst du aus zwei Sätzen einen, und das ist der Sprung zu flüssigem Sprechen.
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Hier der Kern der ganzen Regel. Das Wort koji stimmt in Genus und Numerus mit dem Substantiv überein, auf das es sich bezieht, das kommt von außen. Den Kasus aber bekommt es von innen, aus seiner Rolle im Nebensatz.
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Beginnen wir ganz einfach. Wenn koji das Subjekt seines Satzes ist, bleibt es im Nominativ. čovek koji radi
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Jetzt tauschen wir die Rolle. Hier ist koji nicht der, der arbeitet, sondern den ich sehe, also das Objekt. Deshalb wechselt es in den Akkusativ und wird zu koga. čovek koga vidim
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Jetzt ist das Substantiv feminin, knjiga, also wählen wir koju, nicht koji. Das Genus stimmt von außen überein, und weil das Buch das gelesene Objekt ist, steht der Akkusativ. knjiga koju čitam
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Steht eine Präposition davor, bestimmt sie den Kasus. In grad u kome živim verlangt die Präposition u den Lokativ, also wird koji zu kome. grad u kome živim
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Manche Verben verlangen den Dativ, und dann auch koji. Das Verb verovati, vertrauen, regiert den Dativ, also lautet in prijatelj kome verujem die Form kome. prijatelj kome verujem
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Ganz klar: Das Genus des Substantivs sagt dir, ob du koji, koja oder koje wählst. Das Verb oder die Präposition im Satz sagt dir, welchen Kasus diese Form annimmt.
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Und hier die klassische Falle. Viele zwingen koji, sich nach dem Kasus des vorangehenden Substantivs zu richten. Das darf es aber nicht. Vidim čoveka, man denkt also an Akkusativ; doch wenn er arbeitet, ist koji Subjekt seines eigenen Satzes und bleibt im Nominativ.
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Schau dasselbe Substantiv noch einmal in zwei Rollen an. Auto koji vozim: Hier ist das Auto das Objekt, also heißt koji im Akkusativ für eine maskuline Sache koji. Gleiche Logik, folge einfach der Rolle. auto koji vozim
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Auch im Plural gilt das Prinzip: Genus und Numerus von außen, Kasus von innen. ljudi koji čekaju
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Merk es dir so: Genus und Numerus von außen, Kasus von innen.