Der Dativ im Serbischen: dem Empfänger eine Endung geben
Den Dativ kennst du aus dem Deutschen schon bestens: Du gibst dem Bruder ein Buch, du schreibst der Schwester. Genau diese Rolle — den Empfänger oder Nutznießer einer Handlung — übernimmt im Serbischen der Dativ (serbisch: dativ). Er antwortet auf die Frage kome? (wem?) bei Personen und čemu? (wem? bei Sachen). Es ist das indirekte Objekt: nicht, was du gibst, sondern dem du es gibst. Der entscheidende Unterschied zum Deutschen liegt darin, wo der Fall sichtbar wird. Im Deutschen trägt der Artikel die Information: dem Bruder, der Schwester — das Substantiv selbst bleibt fast unverändert. Im Serbischen gibt es keine Artikel; stattdessen hängt sich die Endung direkt ans Substantiv. Du musst also lernen, das Wortende selbst umzuformen. Die Endungen im Singular sind erfreulich überschaubar. Maskulinum und Neutrum bekommen -u: brat wird zu bratu, prozor zu prozoru, dete zu detetu. Femininum auf -a bekommt -i: sestra wird zu sestri, žena zu ženi. So entsteht Dajem knjigu bratu (Ich gebe dem Bruder das Buch) — knjigu ist im Akkusativ, was du gibst, und bratu im Dativ, dem du es gibst. Genauso Pišem sestri (Ich schreibe der Schwester): Allein die Endung -i trägt die Bedeutung, ein zusätzliches Wort braucht es nicht. Eine Gruppe von Verben verlangt von Haus aus den Dativ: dati (geben), reći (sagen), pisati (schreiben), pomoći (helfen), verovati (glauben, vertrauen) und zahvaliti (danken). Bei jedem steht der Empfänger im Dativ. Hier hilft dir das Deutsche als Brücke: helfen regiert auch im Deutschen den Dativ (ich helfe dem Bruder), und genauso tut es pomoći im Serbischen — Pomažem prijatelju (Ich helfe einem Freund). Achte aber auf die Form: nicht der Artikel, sondern die Endung -u an prijatelju macht den Dativ. Den Dativ verlangen außerdem die Präpositionen prema und ka, die eine Bewegung in jemandes Richtung ausdrücken (zu, in Richtung): Idem ka gradu (Ich gehe zur Stadt) — grad wird zu gradu. Mit prema gradu wäre es genauso. Stehen zwei Objekte im Satz, gilt die klare Aufteilung: das Gegebene im Akkusativ, der Empfänger im Dativ — Dajem deci poklone (Ich gebe den Kindern Geschenke), deci im Dativ, poklone im Akkusativ. Zwei Stolpersteine solltest du dir merken. Erstens: pomoći verlangt den Dativ, nicht den Akkusativ — also Pomažem bratu, nie „Pomažem brata“. Das fällt Deutschsprachigen leicht, weil auch „helfen“ den Dativ nimmt; behalte das im Kopf, wenn dich das Gefühl zum direkten Objekt verleiten will. Zweitens der Lautwechsel k → c: vor der Endung -i wird k zu c. Es heißt also Kažem majci (Ich sage es der Mutter), nicht „Kažem majki“ — ebenso ruka → ruci, devojka → devojci. Übrigens fällt im Serbischen der Dativ in der Form mit dem Lokativ zusammen; das musst du dir vorerst nicht weiter merken, es erspart dir aber später Lernarbeit.
Beispiele
- Dajem knjigu bratu. I'm giving the book to my brother.
- Pišem sestri. I'm writing to my sister.
- Pomažem prijatelju. I'm helping a friend.
Die ganze Lektion
Alles aus dem Video, als Text.
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Du gibst jemandem ein Buch, schreibst jemandem einen Brief, hilfst jemandem. Aber wem? Im Serbischen hat dieses wem einen eigenen Fall: den Dativ. Verfehlst du ihn, klingt der Satz falsch. Lass ihn uns ganz meistern.
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Der Dativ ist der Fall des Empfängers: dessen, der etwas bekommt oder für den die Handlung bestimmt ist. Er antwortet auf die Frage kome? (wem?) oder čemu? (wem, für Sachen?). Das ist das sogenannte indirekte Objekt: nicht, was du gibst, sondern dem du es gibst.
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So bildet man die Endungen. Maskulinum und Neutrum bekommen die Endung -u: brat wird zu bratu, dete zu detetu. Femininum auf -a bekommt die Endung -i: sestra wird zu sestri. Zwei Endungen — das ist der Kern des Dativs.
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Beginnen wir mit dem klarsten Beispiel: dem Verb dati, geben. Du gibst ein Buch, aber wem? Bratu. Dajem knjigu bratu. Ich gebe meinem Bruder das Buch. Knjigu ist, was du gibst — das ist der Akkusativ. Und bratu ist der, dem du es gibst — das ist der Dativ, brat plus -u.
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Jetzt das Femininum. Du schreibst einen Brief, und die Empfängerin ist die Schwester. Sestra verliert das -a und bekommt -i: Pišem sestri. Ich schreibe meiner Schwester. Allein die Endung -i auf sestri trägt die Bedeutung des Empfängers; ein zusätzliches Wort ist nicht nötig.
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Und hier das wichtigste Verb zum Merken: pomoći, helfen. Im Serbischen hilfst du nicht jemanden (Akkusativ), sondern jemandem. Das Verb pomoći verlangt den Dativ: Pomažem prijatelju. Ich helfe einem Freund. Prijatelj wird zu prijatelju — Dativ, nicht Akkusativ. Das ist eine Falle, auf die wir noch zurückkommen.
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Sehen wir die vollen Formen an einem maskulinen und einem femininen Namen, damit sie sich einprägen. Brat im Dativ ergibt bratu, sestra ergibt sestri, majka ergibt majci — beachte, wie k vor -i zu c wird.
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Der Dativ steht nicht nur bei Verben des Gebens. Er folgt auch nach bestimmten Präpositionen, meist prema und ka, die Bewegung in jemandes Richtung bedeuten: Idem ka gradu. Ich gehe zur Stadt. Grad wird zu gradu nach der Präposition ka. Genauso wäre es bei prema gradu.
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Es lohnt sich, eine Gruppe von Verben zu merken, die immer den Dativ verlangen. Dazu zählen unter anderem: dati (geben), reći (sagen), pisati (schreiben), pomoći (helfen), verovati (glauben) und zahvaliti (danken). Bei jedem steht der Empfänger im Dativ.
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Und nun die Hauptfalle. Das Verb pomoći verlangt im Serbischen den Dativ, nicht den Akkusativ. Darum heißt es pomažem bratu, nicht pomažem brata. Wen du unterstützt, ist der Empfänger der Handlung, steht also im Dativ.
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Die zweite Falle betrifft das Femininum. Bei Nomen auf -ka wird der Konsonant k vor der Endung -i zu c. Majka ergibt nicht majki, sondern majci. Ebenso: ruka ergibt ruci, devojka ergibt devojci.
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Und ein letztes Beispiel, um alles zu verbinden. Zwei Objekte im selben Satz: was du gibst im Akkusativ, dem du es gibst im Dativ. Dajem deci poklone. Ich gebe den Kindern Geschenke. Poklone — Akkusativ, was du gibst; deci — Dativ, die Empfänger.
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Fassen wir zusammen. Der Dativ ist der Fall des Empfängers und antwortet auf kome? (wem?). Maskulinum und Neutrum bekommen -u, Femininum auf -a bekommt -i. Ihn verlangen Verben wie dati, reći und pomoći sowie die Präpositionen prema und ka. Merke: du hilfst bratu, nicht brata. Jetzt weißt du, wem die Handlung gilt.